Forschungsprojekt FORSOFT FORSOFT Teilprojekt ZEN         4Soft GmbH


4Soft und die TUM entwickeln Prototypen einer Tourismus-Card

Von der Forschung zur Tourismus-Card


München – Durch die Versteigerung der UTMS-Lizenzen im letzten Jahr wurde auch dem Normalbürger bewusst, dass das Mobile-Commerce-Zeitalter bereits eingeläutet wurde. Kleine mobile Geräte werden in große, verteilte Systeme integriert und bieten damit jederzeit und von jedem Ort aus den Zugriff auf Informationen und Dienste. Von Wissenschaftlern der TU München und der Firma 4Soft GmbH wurde in einer Kooperation ein Prototyp für ein Tourismus-System entwickelt, das auf den derzeit kleinsten Computern basiert: winzigen Minirechnern, die in eine Chipkarte integriert sind. Die sogenannte „Aqua-Card" kann Touristen und Bürgern einer bestimmten Region die schnelle und unkomplizierte Nutzung von sportlichen und kulturellen Einrichtungen sowie des Transportsystems erlauben.

Die multifunktionale Gästekarte ersetzt die Fahrscheine im öffentlichen Nahverkehr, gewährt über elektronische Tickets Einlass in Sport-Arenen und Kulturhäuser und kann darüber hinaus den Zugang zum eigenen Hotel öffnen. Bei der Ankunft im Urlaubsort wird dem Touristen in der Tourismusverwaltung die Aqua-Card ausgehändigt. Dieses Mobilgerät auf Basis einer Java-Smartcard erlaubt es dem Anwender, beliebige Tickets auf die Karte zu laden. Nutzt der Gast anschließend im Urlaubsgebiet touristische Leistungen, verwendet er an Stelle von Bargeld oder Tickets die Aqua-Card. Hierdurch entfällt langes Anstehen an überlasteten Kassen und lästiges Hantieren mit Kleingeld. Beim Zugang zu Einrichtungen wie zum Beispiel Hotel und Schwimmbad erlaubt die Karte einen einfachen und sicheren Zutritt, ohne dass Papierdokumente oder Schlüssel nötig wären.

Innovative Anwendungen dieser Art sind nur auf Basis einer angepassten und leistungsfähigen technischen Infrastruktur möglich. Gemeinsam mit Studenten und Wissenschaftlern des Lehrstuhls von Prof. Dr. Manfred Broy der Technischen Universität München wurde hierfür ein Demonstrator entwickelt, der den Einsatz der Java-Smartcard- Technologie in ihrer neuesten Version prototypisch zeigt. Zur Kommunikation zwischen Karte und Anwendungen kommt hierfür eine Messaging Middleware nach dem JMS-Standard zum Einsatz. Der Mechanismus zur Anbindung der Karte erlaubt standardmäßig den Einsatz von Queues und n:m-Verbindungen zwischen den Applets auf der Karte und den sonstigen Anwendungen. Einer der Hauptvorteile der entwickelten Technik ist es, dass sie Entwicklern einfach zu verwendende Schnittstellen bereitstellt und sie damit von der mühsamen und fehlerträchtigen Implementierung von Block-Transfer-Routinen auf unterster Ebene befreit.

Universitäres Technologiewissen verhilft dem mittelständischen Unternehmen 4Soft GmbH bei der Akquisition von Aufträgen

„Die Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt ZEN unterstützte die Akquisition von Aufträgen bei großen, etablierten Firmen wie Giesecke & Devrient, die im Bereich von SmartCards tätig sind.", sagt Herr Dr. Klaus Bergner, Geschäftsführer der Firma 4Soft GmbH. „Durch die gemeinsame Erarbeitung neuer, innovativer Technologien haben wir uns als Technologie-Führer profiliert."

Auch der Universität bietet die Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen eine Reihe von Vorteilen. Dazu der Projektleiter, Herr Andreas Rausch, des ZEN-Forschungsprojekts: „Es ist immer wieder faszinierend und sehr erfreulich zu sehen, wie gefragt unser Wissen in der Industrie ist. Dies zeigt, wie gut es uns gelingt, den Bogen von theoretischen Erkenntnissen hin in die praktische Anwendung zu spannen. Unseren Studenten bieten wir damit die beste Vorbereitung für ihren Berufseinstieg."

Die Firma 4Soft GmbH

Die Kernkompetenzen der 4Soft GmbH liegen in der Konzeption großer, unternehmensweiter Softwarearchitekturen mit modernen Techniken wie Java, CORBA, Applikationsservern, Workflow-Systemen und objektorientierten Datenbanken. Schwerpunkte sind dabei insbesondere Softwarearchitektur, verteilte und komponentenorientierte Systeme, objektorientierte Modellierung und Entwicklung sowie methodische Aspekte des Software- Engineering.

Seit seiner Gründung am 1.4.1999 ist das Unternehmen von vier auf inzwischen vierzehn Angestellte gewachsen. Seine Kunden sind große und mittelständische Unternehmen wie beispielsweise BMW AG, Consors Discount-Broker AG, Dohmen Distribution Services GmbH, Giesecke & Devrient GmbH, Healy-Hudson AG, MAN AG und MTU GmbH. In Projekten für diese und andere Kunden wurden und werden unter anderem Techniken wie Java, CORBA, Workflow-Engines, Servlets, JSPs, EJB-Server, JMS und objektorientierte und relationale Datenbanken eingesetzt.

Technische Universität München, FORSOFT II und ZEN

Die Technische Universität München ist auf dem Gebiet der Informatik eine der führenden Universitäten in Europa. Im Forschungsverbund FORSOFT II sind unterschiedliche Fakultäten integriert, die an der Erarbeitung neuartiger Software-Techniken und ihrer Umsetzung für unterschiedliche Themenfelder zusammenarbeiten. FORSOFT II konzentriert sich hierbei auf die methodische Softwaretechnik in herausragenden Einsatzgebieten unter Einschluss betriebswirtschaftlicher Fragestellungen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Leitthemen Durchgängigkeit, Wandlungsfähigkeit und Interoperabilität.

Das Teilprojekt ZEN ist für die Bereitstellung einer einheitlichen Basis der FORSOFT- Methodik verantwortlich, die kontinuierlich weiterentwickelt und konsolidiert wird. Weiterhin beschäftigt sich ZEN mit der projektübergreifenden Koordination eines Validierungs- und Weiterentwicklungs-Prozesses. Die Korrelation der Ergebnisse aus den Teilprojekten und deren Integration sowie die proaktive Einbeziehung kleiner und mittelständischer Unternehmen sind weitere Aufgabengebiete von ZEN. Das Spektrum für gemeinsame Aktivitäten mit dem KMUs erstreckt sich hierbei von der Kontaktvermittlung für andere Teilprojekte über die Organisation von Workshops bis hin zur Erstellung von Architekturgutachten. Zusätzlich finden zahlreiche studentische Arbeiten in Form von Systementwicklungsprojekten und Diplomarbeiten statt.